Ein kleiner Zugvogel im Stall?
Jeder weiß es aus der Zeitung: In England wurden 160 000 Puten der größten Putenfarm Europas bei Suffolk umgebracht. Die Geflügelgrippe war ausgebrochen. Der Erreger war ein mit dem in Ungarn einige Wochen vorher in einer Gänsehaltung aufgetretenen H5N1-Virus genetisch identisch. Die 22 Ställe, von denen vier von dem Virus betroffen waren, gelten als perfekt von der Umwelt abgeschirmt.
Für den deutschen Seuchenexperten Mettenleiter auf der Forschungsinsel Riehms war trotzdem sofort klar: Es ist ein Beweis dafür, dass der gefährliche Keim in der Wildvogelpopulation immer noch lauert und dass die Stallpflicht der wichtigste Schutz dagegen ist. In den deutschen Medien las man die Version von einem kleinen Wildvogel, der wohl in eine Lüftung geflogen sein muss, noch lange, nachdem in der Internationalen Presse längst klargestellt war, dass die Übertragung von Ungarn nach England über Fleischtransporte stattgefunden hat: Denn der Konzern Matthews hat nicht nur in England neben seinen Putenställen auch Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe, sondern ein weitverzweigtes Netzwerk von Aufzucht-, Mast-, Schlacht-und Verarbeitungsbetrieben in Ungarn. Zum Beispiel kamen Lieferungen aus der direkten Nähe des betroffenen Gänsebetriebes zur weiteren Verarbeitung auch nach Suffolk. Obwohl die Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe im Seuchen-Sperrgebiet liegen, wurde der Betrieb schon wenige Tage nach der "Keulung" wieder aufgenommen - die Lastwagen zwischen Ungarn und England rollen längst wieder!
Übrigens ist auch in Deutschland (Oldenburg) ein Verarbeitugnsbetrieb von Matthews, und keiner kann garantieren, dass nicht auch bei uns, wie für England mit großer Wahrscheinlichkeit zutrifft, H5N1-verseuchte Ware im Handel ist. England stand deswegen kurz vor einer Rückrufaktion, doch das wurde gelassen, wegen "Unverhältnismäßigkeit". Denn schließlich werde das Fleisch ja vor dem Verzehr erhitzt.
Wie verträgt sich diese Einstellung mit den Bildern vom letzten Winter in Deutschland, als ganze Uferpromenaden nach dem Fund toter Vögel, in denen H5N1 nachgewiesen wurde, in Gasmasken und Schutzkleidung massiv desinfiziert wurden? Heißt das nicht, man müsse Geflügelfleisch vorsichtshalber mit Gasmaske kochen, um sich nicht zu gefährden?
Seit dem Frühsommer 2006 wurde weder in England, noch in Ungarn oder Deutschland ein einziger Wildvogel mit dem geringsten Hinweis auf H5N1 gefunden.
ES IST ALSO KLAR: DER KEIM BRÜTET IN DEN MASSENTIERHALTUNGEN!
Warum aber klammern sich die Regierung und ihr Ratgeber Mettenleiter immer noch am Widvogelmärchen fest - ohne ein einziges stichhaltige Begründung liefern zu können?
Wir sind überzeugt, dass materielle Interessen der Geflügelindustrie, der damit befassten Wissenschaftler und der Pharma-Industrie dahinter stecken. Und aus entsprechenden Gründen sind vermutlich auch die großen Medien nicht an der Wahrheit interessiert - auch wennn sie auf der Hand liegt.
Ein Beispiel für Vernetzung im Matthews- Imperiums:
Bruteier von Mastputen werden von England nach Ungarn gefahren, wo die Küken gemästet werden. Denn dort ist es billiger (da kümmert sich auch niemand um Tierschutzfragen). Auch die Schlachtung erfolgt in Ungarn. Die Schlachtkörper werden dann jedoch nach England gebracht, damit hier die Brust abgeschnitten wird. Vielleicht, damit man sie als Englisches Produkt vermarkten kann? Der Rest kommt wieder zurück nach Ungarn, wo hauptsächlich Wurst für den Ungarischen, Italienischen und Deutschen Markt hergestellt wird.
Enge Verflechtungen bestehen mit den Tochter-Unternehmen SAGA-Food und Gelfood und dem Oldenburger Betrieb in Norddeutschland.
Karin Ulich