Tier & Mensch e.V. |
In
Deutschland ist eine Massentierhaltung von 7.500 Milchziegen auf der
ehemaligen Landesdomäne Heidbrink im Weserbergland im
Landschaftsschutzgebiet an der Weser geplant. Anwohner und
Tierschutzverbände wehren sich energisch gegen das Unternehmen, das
Ziegen in reiner Stallhaltung zur Billigproduktion von Ziegenkäse
verwenden will. Ganzjährige Stallhaltung ist jedoch ein Verstoß
gegen die Europaratsempfehlungen und zugleich gegen § 2 des
Tierschutzgesetzes. Denn für eine artgerechte Ziegenhaltung ist
Weidegang Voraussetzung.
Was
bei der Massentierhaltung von Ziegen zu erwarten ist, zeigt uns nun
Holland auf abstoßende Weise: Hier haben nämlich nach der
Schweinepest 1997 viele Landwirte von Schweinen auf
Massentierhaltung von Milchziegen umgestellt: Tausend bis zu 11.000
Tiere werden pro Bestand gehalten. Insgesamt gibt es nun etwa 350.000 Ziegen in Holland, vor 1997 waren es nur einige tausend. Seit
dem Winter 2009 zeigen sich die bitteren Konsequenzen, denn das
Q-Fieber konnte sich massiv verbreiten. Diese
bakterielle Infektion (Coxiella
burnetii),
tritt normalerweise ab und zu in Schaf- und Ziegenbeständen auf,
ist jedoch erst durch die Massentierhaltung zu einem Problem
geworden. In einigen Fällen löst sie bei Menschen grippeähnliche
Symptome aus, woraus der Laien-Name „Ziegengrippe“ resultiert.
Zunächst
wurden auf 55 Betrieben insgesamt
34.000 kranke Ziegen getötet und vernichtet – später wurde der
Vernichtungsfeldzug auf mehr als
40.000 tragende, weibliche Ziegen und Böcke auf
61 Betrieben ausgeweitet, auch wenn sie gesund waren.
Untersuchungen sparten sich die Behörden, da sie Ende Januar mit
der Keulaktion fertig sein wollten, um der Lammperiode im Februar
zuvor zu kommen.
Die Bakterien vermehren sich in der Gebärmutter und können
beim Geburtsvorgang freigesetzt werden.
Die
beunruhigten Ziegenhalter im benachbarten Nordrhein-Westfalen
beruhigt Stephan Malessa vom Düsseldorfer Agrarministerium:
"In NRW ist das Q-Fieber noch kein Problem und es wird wohl
auch kein großes Problem werden, weil es hier weniger Schaf- und
Ziegenmassenhaltung gibt und die Ausbreitung deshalb geringer
ist."
Wenn
es jetzt jedoch auch in Deutschland mit Massentierhaltungen von
Ziegen losgeht, werden bald auch hier Infektionen Mensch und Tier
bedrohen.
K.U.(April
2010)
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