Tier & Mensch e.V.

 
 

Die Hysterie der Vogelgrippe – 365.000 Enten getötet!

Infizierte Enten möglicherweise in den Handel gelangt.
Zu dieser Meldung veröffentlichte die Schwäbische Zeitung am 17.9.07 den folgenden Leserbrief von Karin Ulich:

Nun ist es also in der Öffentlichkeit, was Dr. Vick aus Erlangen schon am 28. August sagte, damals aber von den Medien nicht aufgegriffen wurde: Der H5N1-Virus vagabundiert vermutlich bereits seit längerer Zeit in Entenprodukten im Handel. Er sei aber überhaupt nicht gefährlich für die Verbraucher – die kochen es ja ab. Wo bleibt dann die Warnung vor dem „gefährlichen Virus, das auch Menschen infizieren“ könnte?
Um solchen Gefahren vorzubeugen, schützen sich doch alle Tierärzte, Feuerwehrleute und Arbeiter mit rundum abschließenden Schutzanzügen und Virus-undurchlässigen Gasmasken, desinfizieren sich und alle Gegenstände und Fahrzeuge, wenn auch nur der Hauch einer Gefahr besteht, sie könnten Kontakt mit infizierten Vögeln bekommen.
Wie passt das eigentlich zusammen? Sollten nun Köche und Hausfrauen nicht ebenfalls mit Gasmasken und voller Schutzmontur ausgerüstet werden, wie auch die Verkäufer möglicherweise infizierter Produkte? Denn zunächst sind die ja nicht gekocht, sondern im Gefrierschrank konserviert.
Plötzlich also sind sie nicht gefährliche als Salmonellen? Und sind denn die ungefährlich? An Salmonellen erkranken jährlich etliche tausend Menschen in Deutschland, und hundert sterben. Weil aber die fester Bestandteil der Massen-Geflügelhaltungen sind, werden sie verharmlost. Hier wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen und widersprüchlich argumentiert. Da steckt wohl System dahinter: Tierquälerische Masthöllen sollen weiterhin ungestört den Markt mit Ware beliefern können, die Konkurrenz aber, artgerechte Freilandhaltung – soll nebenbei entsorgt werden.
Ein weitreichendes Zusammenspiel zwischen Wirtschaftslobby, Wissenschaft und Politik scheint hier die Fäden zu spinnen.

Anmerkung:
Der Ministeriumssprecher Roland Eichhorn sagte: „Solche Geflügelenten werden gekocht, und dann ist das unbedenklich für die Menschen. Das Vogelgrippevirus sei mit Salmonellen vergleichbar". Es sei denkbar, dass durch ausgelieferte Entenprodukte anderes Geflügel angesteckt werden könnte. Der gefährliche, auch auf Menschen übertragbare Erreger war laut Ministerium unter anderem in 18 tiefgefrorenen Enten entdeckt worden.
(Zitiert aus der Schwäbischen Zeitung vom 11.9.07)

 
166.000 Enten getötet

Von Vogelgrippe befallene Enten in Handel gelangt?

Virus grassiert offenbar schon länger in dem betroffenen Mastbetrieb

Wachenroth/ddp. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in einem Enten-Mastbetrieb bei Erlangen sind offenbar doch infizierte Tiere in den Handel gelangt. Epidemiologen des Friedrich-Loeffler-Instituts hätten nicht nur in einem Stall mit 44.000 Küken den Erreger entdeckt, sondern auch in zwei weiteren Ställen, teilte das Veterinäramt Erlangen-Höchstadt am Dienstag mit. Bei der Untersuchung von Proben nach der vorsorglichen Keulung von 166.000 Tieren habe sich gezeigt, dass einige Enten das Virus schon länger in sich trugen, sagte Veterinäramtschef Ottmar Fick.
Bisher hatte das Verbraucherschutzministerium nur für den Zeitraum seit Anlieferung der Küken Ende Juli bis zur Feststellung der Seuche in der vergangenen Woche einen Verkaufsstopp für Ware von dem betroffenen Hof erlassen. Nun können die Epidemiologen nicht mehr ausschließen, dass das Virus bereits davor auf dem Hof grassierte. Fick sagte: «Die Vogelgrippe kann bei Wasservögeln sehr unauffällig verlaufen.» Nun müsse untersucht werden, ob es sich auch in den neu festgestellten Fällen um die hochansteckende Form des H5N1-Virus handele.
Fick warnte vor Panikmache angesichts der neuen Erkenntnisse: «Unter unseren hygienischen Bedingungen besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.» In einer Schaltkonferenz mit dem Verbraucherschutzministerium und den beteiligten Behörden diskutierten Experten am Nachmittag die Konsequenzen aus den Funden. Inzwischen rückt das Kreisveterinäramt auch von der These ab, dass mit Vogelkot verunreinigtes Stroh das Virus in die Ställe gebracht hat. Fick sagte: «Was es sonst gewesen ist, daran forschen wir gerade.»
Überrascht reagierte der Anwalt des betroffenen Unternehmens im fränkischen Wachenroth auf die Nachricht von weiteren Vogelgrippe-Fällen in einigen der 15 Ställe. «Wir sind davon ausgegangen, dass wir durch rasches Eingreifen die Verbreitung der Seuche über den Stall mit Küken hinaus verhindern konnten», sagte der Anwalt. Das Unternehmen hatte am vergangenen Freitag von sich aus ein privates Labor eingeschaltet, nachdem es zu vermehrten Ausfällen im Bestand gekommen war.
Keine Auffälligkeiten erbrachte dagegen bisher die Untersuchung anderer Mastbetriebe, mit denen der betroffene Hof in Wachenroth Lieferbeziehungen unterhielt. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hatte am Montag angekündigt, alle Wege von Lkw und Menschen nachzuvollziehen, die den Geflügelhof in den vergangenen Wochen betreten und verlassen hatten.

September 2007

Sommerspuk: Wo kam plötzlich die Vogelgrippe her?

Pünktlich zum Sommeranfang tauchte, wie Phönix aus der Asche, in einem Nürnberger Stadtteich bei einigen toten Schwänen und zwei Gänsen das Geflügelpest-Virus Typ H5N1asia wieder auf, kurz darauf in Sachsen und dem Vogelschutzgebiet der Talsperre Kelbra, (im Grenzgebiet zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt), wo etwa 200 mit dem Virus infizierte Tiere unter  toten Wasservögeln entdeckt wurden. Es betraf hauptsächlich Hauben- und Schwarzhalstaucher, geschützte Arten, die von kleinen Fischen leben.

Brutales Vorgehen der Behörde Als am 6. Juli das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) in der zahmen Gans eines Behindertenheims das Virus vom Typ H5N1 fand, wurden sofort in einer brutalen Nachtaktion im 3-km-Bereich rund um die Hausgans alle 1200 Geflügeltiere, die in kleinen Freilandbeständen von Privatleuten oder  Nebenerwerbsbauern gehalten wurden,  mit dem Tötungsgift T61 umgebracht, was für viele Tiere langsames und qualvolles Sterben bedeutete. Bei keinem dieser Tiere konnte das Geflügelpestvirus nachgewiesen werden – sie waren umsonst gestorben, hatten sinnlos gelitten. Es wäre auch anders gegangen: Vorübergehende Stallpflicht wäre rechtlich möglich gewesen. Doch die verantwortlichen Behörden wählten den totalitären, gewalttätigen Weg. Sie traumatisierten die Bevölkerung auf das Ärgste und nahmen vielen das Vertrauen in unsere demokratische Ordnung. 

Wo ist der Ursprung der Infektionen?
Völlig ungeklärt ist noch, wo das Virus her kam.
Alle diesen Sommer nachgewiesenen H5N1-Viren entsprachen dem H5N1-Subtyp, der im Juni in Geflügel-Massentierhaltungen im Osten Tschechiens gewütet hatte, einer Region mit hoher Dichte abgeschotteter Intensivtierhaltungen – in einem Umkreis von 10 km leben insgesamt mehr als eine halbe Million Tiere in nur 13 Betrieben!
Zunächst war ein Putenbestand von 6.000 Tieren betroffen, 1.800 starben in kurzer Zeit, die übrigen wurden „gekeult“. Dann fand man in einer Hühnermastanlage bei 60 Stichproben von 27.000 gesund erscheinenden Tieren vor der Schlachtung 9 x das Virus. Auch in zwei weiteren Bestände mit insgesamt 71.000 Tiere trat das Virus auf.  Unbekannt ist, ob vorher schon das Virus unbemerkt in Beständen anwesend war. Übrigens war dieser H5N1-Typ sehr eng verwandt mit dem in Kuwait im Mai, das dort zur Tötung von 80% des (intensiv gehaltenen!) Legehennenbestandes geführt hatte, aber auch mit dem des Moskauer Geflügelmarktes im Frühling!

Sündenbock Wildvogel 

Das FLI, das neben der Untersuchung auf Seuchenerreger auch als Bundesbehörde mit der Aufgabe der Bewertung von Seuchengefahren beauftragt ist, geht zwar von einer frischen („rezenten“) Infektion aus, beharrt aber auf dem Eintrag über Wildvögel, wie Stockenten, die Träger sein sollen.
Für diese These gibt es weder Belege, noch ist sie logisch: Weil Brut- und Mauserzeit ist, verhalten sich die Vögel standorttreu. Daher ist es höchst unwahrscheinlich, dass im Juni und Juli Wildvögel von Tschechien nach Deutschland fliegen, wie Ornithologen versichern..
Auch die These, dass z.B. Enten  als Träger mit dem H5N1-Virus lange Zeit unauffällig in der Natur leben, sehen wir als hinfällig an. Denn dann gäbe es mittlerweile überall in Deutschland zu jeder Zeit Krankheitsausbrüche, und das ist eben nicht der Fall. Bei mehr als 10.000 untersuchten Wildvögeln in Deutschland wurde niemals der hoch ansteckende Virustyp H5N1 gefunden. Vereinzelt entdeckte man  harmlose entfernte Verwandte („Low-Pathogen“= LP) aus der Gruppe der Geflügelpestviren, die natürlich nicht zu den gesuchten H5N1-Subtypen mutieren können.

Die Erfahrung mit dem H5N1-Verlauf bei Wildvögeln zeigt, dass ein oder mehrere Tiere sich frisch infizieren, an dieser oder einer anderen Grundkrankheit sterben, und dass dann das Virus schnell wieder aus der Region verschwindet, ohne sich weiter ausbreiten zu können. Das Virus muss also offenbar immer wieder aus Geflügelbeständen verschleppt werden, um Wildvögel  anzustecken.
Wird etwas verschleiert?

Alles deutet also darauf hin, dass über infizierte Transporte aus den in Tschechien, Kuwait oder Moskau betroffenen Geflügelbeständen das Virus in die deutsche Natur gelangt sein muss. Es ist ja auch bekannt, dass während der Wochen der Infektion zweimal lebende Hühner aus der H5N1-betroffenen tschechischen Region in einen Schlachthof nicht weit von Nürnberg importiert worden waren. Doch sehr schnell meldeten die Behörden, Untersuchungen im Institut in Erlangen hätten ergeben, dass die Proben frei vom Erreger waren. Über Importe von Geflügelprodukten aus der tschechischen H5N1-Zone nach Deutschland ist offenbar nichts bekannt, es gibt es ja auch keine Grenzkontrollen mehr.

Kann man eine so wichtige Spur derart abtun? Die verantwortlichen Virologen und Politiker warnen regelmäßig, wie gefährlich das H5N1-Virus für Menschen sein kann, da müssten sie doch akribisch genau nach einer möglichen Infektionsquelle im Handelsbereich suchen, seien es nun gefrorene Geflügelteile (gerade in gekühlten Produkten hält es sich ja besonders gut!), Wurst, Tiernahrung oder gar Kot, der als Dünger oder auch als Tierfutter (z.B. für Fische) verwendet wird!

Ich vermute, dass dieses Virus bereits in unserer Nahrungskette kursiert und über Abfälle immer mal wieder in Gewässer gelangt ist. Immerhin gelten sowohl der Nürnberger Wöhrder See als auch die Talsperre Kelbra als stark mit Fäkalkeimen verschmutzt. In der Talsperre galt daher bereits vor dem Auftreten der toten Vögel ein Badeverbot. Aber wo kommen die organischen Einträge her?

Viele Wissenschaftler finden es äußerst bedenklich, dass vom FLI das Risiko als „vernachlässigbar“ eingestuft wird, das Virus über den legalen Handel einzuschleppen. Obwohl ja die Kontrollen in diesem Bereich mehr als spärlich sind. Hat etwa jemand Angst, dass bei genaueren Untersuchungen peinliche Ergebnisse zu Tage treten könnten?

Was würde wohl passieren, wenn die Öffentlichkeit erführe, dass es völlig unmöglich ist, die Geflügelprodukte im Supermarkt frei vom gefährlichen Vogelgrippe-Typ H5N1asia zu halten?

Würde dann der globale Handel und das Geschäft mit Putenbrust, Brathühnchen und Eiern aus Massentierhaltung weiter so boomen wie bisher?

Der Geflügelmarkt liegt fest in den Händen weniger Konzerne. Wir wissen, wie erfolgreich es bisher gelungen ist, die gefährlichen Salmonellen und Campylobakter, mit denen ein großer Teil der Geflügelprodukte verseucht ist, herunterzuspielen, obwohl beide als Lebensmittelvergifter Tausende Menschen in Deutschland jährlich gefährlich krank machen, Hunderte sterben auch. Die Geschäftsinteressen der Geflügelbarone, die nichts so sehr fürchten wie ein schlechtes Image und Handelsbeschränkungen an den Landesgrenzen scheinen sich also durchzusetzen. Eine Strategie, die nebenbei elegant die Freilandhaltung als wachsende Konkurrenz ausschaltet, ist dabei hoch willkommen, auch wenn sie nicht plausibel ist.

Es irritiert, dass ausgerechnet das FLI als Bundesbehörde dabei hilft, das Märchen der Wildvögel als Infektionsquelle aufrecht zu erhalten, obwohl sich ein Jahr lang „leider“ (Zitat einer FLI-Mitarbeiterin) keine Spur des H5N1-Virus finden ließ. Trotzdem wird das Risiko einer Übertragung durch Wildvögel auf Hausgeflügel vom FLI als „hoch“ bewertet  und zur Rechtfertigung der Stallpflicht verwendet. Wir würden doch wirklich mehr Unabhängigkeit erwarten, auch vom verantwortlichen Ministerium!

Wir versprechen, dass wir nicht nachlassen werden, Widersprüche aufzudecken und ein Ende der sinnlosen Stallpflicht und „Keulung“ gesunder Tiere zu fordern!

Denn Seuchengefahr geht immer von den ungesunden Massentierhaltungen aus, in denen die Tiere durch Enge, mangelndes Tageslicht, schlechte Luft und Dauerstress immunschwach und anfällig sind. Die Lösung der Probleme wären Freilandhaltungen und ein Ende der unverantwortlichen Transporte von Tieren und ihren Produkten kreuz und quer von einem Land ins andere!

Karin Ulich August 2007

Inzwischen erfahren wir, dass in einem Riesen-Mastbetrieb in Oberfranken nicht weniger als 160.000 Enten getötet werden mussten. Immer wieder sind es die Tierfabriken, in denen sich die Vogelgrippe ausbreitet. Sollte das den Politikern nicht zu denken geben?

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