Tier & Mensch e.V.

Nichts Neues: H5N1 in Tiefkühlenten
Wenn Sie unseren Bericht "Die Stalltür zugeknallt" (Heft 26) gelesen haben, so wissen Sie, was die staatlichen Fachleute bereits zugegeben haben: Die "auch für Menschen gefährliche" Geflügelgrippe vom Typ H5N1asia sitzt bereits unkontrolliert im Entenfleisch, ist bereits in längst verkauftem Entenfleisch über die Ladentische gewandert. Das wurde über Rückstellproben im August 2007 in Bayern nachgewiesen. Nun starben in Brandenburg kurz vor Weihnachten in drei kleinen privaten Hühnerhaltungen einige Hühner an diesem Erreger. Es war ungewohnt, dass die Amtstierärzte ohne Umschweife erklärten, Tiefkühlenten aus dem Supermarkt seien die wahrscheinlichste Infektionsquelle, Wildvögel kämen nicht in Frage. Doch außer Keulen und Stallpflicht gab es keine Konsequenzen. Es hieß, man könne die Spur nicht weiter verfolgen, da die Enten ausverkauft seien! Wie kann das sein: Gab es diesmal keine Rückstellproben?
Was erwartet der Bürger von seinen Behörden, wenn ein Lebensmittel in Verdacht steht, mit einem gefährlichen Seuchenerreger infiziert zu sein? Gibt es nicht normalerweise Rückrufaktionen, Warnungen an den Verbraucher, das Produkt nicht zu verzehren?
Diesmal verlief die Sache völlig im Sande. Prof. Mattenleiter erklärte auf Anfrage lediglich, wenn man Geflügelfleisch genügend erhitze, würden die Viren sowieso absterben. Kein Wort von den Menschen, die mit den Enten vor dem Erhitzen in Berührung kommen: Den Fängern, die stundenlang Zehntausende verschmutzter Enten packen und in Kisten stopfen, den Arbeitern in den Schlachtstätten, wo den zappelnden Tieren an den Fließbändern der Hals aufgeschnitten wird, täglich Tausende zerlegt und eingetütet werden, kein Wort von den Köchinnen und Köchen, die ja zunächst auch mit rohem Geflügelfleisch in Berührung kommen.
Nein, weiterhin gelten amtlich die Wildvögel als hohes Ansteckungsrisiko, die Stallpflicht als Lösung. Die unhygienischen, dunklen, widerlichen Masthallen sind keine Silbe wert.
Es ist unfassbar, was sich ein weitgehend gebildetes Volk gefallen lässt an leicht durchschaubaren Lügen und Irrlehren. Denn von der Geflügel-Wirtschaft hört man, der Absatz habe sich stabilisiert, in Deutschland wäre die Kaufzurückhaltung des Jahres 2006 wieder vergessen.
Wie kann man nur Geflügelfleisch essen, wenn damit zu rechnen ist, dass damit eine weltweite Pandemie losgetreten wird? Wie können die Behörden und Medien nur wegschauen, sobald sich zeigt, dass es der Geflügellobby ans Leder geht, wenn man konsequent den Hinweisen auf die Infektionsquellen folgen würde.
Mit unserer stumpfen Duldung wird das Spiel wohl weitergehen: Die infizierten Kotladungen aus den hermetisch abgeriegelten Ställen, in denen stillvergnügt H5N1 kreist, wird in die Landschaft gekarrt und auf Felder verteilt, wo Wildvögel sich anstecken können, die Geflügelabfälle ernähren Ratten und, wie in Brandenburg, ab und zu mal paar Hühner, und die Menschen wagen täglich millionenfach den Selbstversuch: Steck ich mich an oder halt ich's aus?
Für mich ist die Geschichte ein perfektes Beispiel für die perfide Macht der Konzerne über unsere Gesellschaft und besonders auch über Politiker und Wissenschaftler. Moral wird von Profitgier erschlagen, ganz besonders die Schwachen kriegen das zu spüren, in erster Linie die Tiere. 
Karin Ulich (Februar 2008)
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