Tier & Mensch e.V.

 
 

Neue Skandale im Umgang der Behörden mit „Vogelgrippe“

Im letzten Winter wurden sinnlos 610.000 Puten in Massentierhaltungen des Landkreises Cloppenburg vergast und vernichtet. Man hatte in 33 Beständen eine harmlose Verwandte des Geflügelpestvirus gefunden, das an sich keinerlei seuchenrechtliche Reaktionen nötig macht.
Doch diesmal schien es nötig, den übersättigten Putenmarkt auf Kosten der Seuchenkasse und damit des Steuerzahlers zu bereinigen. Außerdem wurde für ganz Niedersachsen und Teile von Nordrhein-Westfalen die Stallpflicht für Freilandgeflügel verordnet, obwohl keinerlei Ansteckungsgefahr bestand: Außerhalb der nach draußen abgeschotteten „Putenmast-Fabriken“ wurden keine Viren gefunden. Dennoch werden mit absurden Argumenten immer wieder Anlässe gesucht, um die Freilandhaltung von Geflügel zu unterbinden – denn sie ist der Geflügelindustrie ein Dorn im Auge, damit auch den lobbyhörigen Politikern.
Nur so lässt sich erklären, dass die Testung auf das H5N1-Virus einer einzelnen Wildente, die im Januar am Starnberger See in Bayern geschossen worden war, als Beweis für die Anwesenheit der „hoch ansteckenden, „gefährlichen“ Geflügelgrippeviren in Wildvögeln interpretiert wurde. Es ist peinlich, dass solch ein Blödsinn seinen Weg in die Öffentlichkeit findet. Denn es ist ausgeschlossen, dass ein ansteckender Krankheitserreger in einer einzigen Ente aus einem Schwarm von 38 gesunden Enten, die zusammen geschossen wurden, sitzen soll.
Verschwiegen wird von den Behörden die Tatsache, dass ein gewisser Prozentsatz falscher Laborergebnisse unvermeidlich ist, da die PCR-Methode, mit der Massenuntersuchungen gemacht werden, fehleranfällig ist. Ein positives Ergebnis dürfte daher erst dann bewertet werden, wenn durch Blutuntersuchungen die Anwesenheit von Viren oder Antikörper bestätigt würden und durch eine sorgfältige Genanalyse Schlüsse auf die Herkunft des Virus gezogen werden können. Dass dies in Deutschland nicht vorgesehen ist, halten  wir für fahrlässig und unwissenschaftlich.
K.Ulich (Juni 2009)
Weitere Informationen: www.WAI.netzwerk-phoenix.net 

 

Deutschland sucht die Vogelgrippe

Mit großem Aufwand  ist Deutschland auf der Suche nach den Verbreitungswegen der Vogelgrippe. Dabei konzentrieren sich die Forschungsaufträge in erster Linie auf die Beprobung von Wildvögeln und Erkenntnisse ihrer Wanderrouten. Kürzlich wurde in Bregenz ein Teil der Arbeiten der Projekte „Constanze“ (Bodensee) und „Wildvögel und Vogelgrippe“ (WuV) (Süddeutschland) vorgestellt.
Bei Hunderten von Kot- und Rachenproben hat man in 1 1/2 Jahren niemals das gefürchtete Vogelgrippe-Virus, sondern nur kurzzeitig harmlose Influenzaviren entdeckt. Sie sind in der Natur normalerweise präsent.
Weltweit ist bisher kein Fall wissenschaftlich fundiert belegt, dass Wildvögel Hausgeflügel mit dem gefährlichen H5N1-Virus angesteckt hätte. Immer wieder treten dagegen in vielen Ländern Vogelgrippe-Ausbrüche in Massentierhaltungen auf. In Deutschland und Europa fielen 2007 Hunderttausende von Tieren Ausbrüchen in solchen Anlagen zum Opfer (die meisten durch Keulung!). Über die Virusverwandtschaften konnte meist eine Verbindung zu infizierten Massentierhaltungen in anderen Ländern hergestellt werden (z.B.: von Ungarn nach England, oder von Tschechien zu den Wichman-Entenmastbetrieben in Bayern), oft wurden auch Handelsbeziehungen aufgedeckt  Aber meist blieb der Ansteckungsweg im Dunkeln. Dann verdächtigen die Verantwortlichen schnell Wildvögel, die irgendwie in die streng abgeschotteten Ställe hineingeraten sein müssten.  Sie ignorieren, dass es in Massentierhaltungen häufig vorgekommen ist, dass Vogelgrippeviren des gefürchteten H5N1asia-Typs unentdeckt zirkulieren und auch mit Produkten in den Handel gelangen konnten. So steckten sich Weihnachten in Brandenburg Hühner an Abfällen gefrorener Wichmann-Enten an, die offenbar ein halbes Jahr lang im Handel waren. 
Daher fragen wir uns besorgt, ob nicht der Schwerpunkt der Virussuche am falschen Ort stattfindet. Wir kritisieren heftig, dass die Regierung zwar in der Geflügelpest-Verordnung neben der dauerhaften Stallpflicht auch regelmäßige teure Untersuchungen bei Freilandgeflügel vorschreibt. Solche Routine-Untersuchungen gibt es bei Geflügel in Großbeständen jedoch nicht! Daher wird auch weiterhin nicht verhindert, dass die Influenzaviren in die natürliche Umwelt gelangen: mit Kot, Kadavern und anderen Abfällen, über Jungtiere, Eier, Geflügelprodukte oder über die Durchgangsstation Schlachthof.
Dieses Virus, das sogar als potentieller Pandemie-Erreger beim Menschen gilt, hat durch die weltweit vernetzten Strukturen des Geflügelhandels beste Chancen, sich zu verbreiten oder sich in den Tierhöllen explosionsartig zu vermehren und dabei munter zu mutieren. (Weiterführende Quellen: www.wai.netzwerk-phoenix.de )
Wir fordern eindringlich, die Untersuchungsschwerpunkte zu verschieben und den folgenden Fragen nachzugehen:
Wie verbreiten sich hoch pathogene Influenzaviren über den Handel?  Gelangen sie aus Geflügelbeständen in die Umwelt, und wie lässt sich das verhindern? Wie kann verhindert werden, dass Vogelgrippeviren unentdeckt in kommerziellen Geflügelbeständen zirkulieren und mit Waren zum Verbraucher gelangen können?
Die Stallpflicht ist sinnlos und sofort aufzuheben, und zwar aus Tierschutzgründen und um die letzten Freilandhaltungen in Deutschland nicht auch noch in den Ruin zu treiben.

22. Juni 2008
ViSdP: Karin Ulich, Kontaktbüro Bodensee, Alte Landstr. 27, D-88138 Sigmarszell

Anmerkung:
Die Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung begrüßt und unterstützt die vorliegende Pressemitteilung ausdrücklich und ist deshalb bereit, als Mitunterzeichner zu fungieren.

Eckard Wendt, Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V. - Tierschutzfachverband, Hamburg (AGfaN)
Geschäftsstelle:
Auf der Geest 4, D 21435 Stelle, Tel.: 04174-2778, www.tierschutz-landwirtschaft.de,
www.eier-deklaration.de 

Die Stalltür zugeknallt
 
Es wächst die Einsicht, selbst bei der zur UN gehörenden FAO (Food and Agriculture Organization), dass die Vogelgrippe ein Teil der weltweit agierenden Geflügel-Industrie ist und höchstens kurzfristig Wildvögel betroffen werden: Einige Vögel sterben, jedoch das Virus verschwindet schnell wieder aus der Natur und wurde bei lebenden Wildvögeln (bei weltweit ca. 350.000 Untersuchungen!) nicht nachgewiesen. So haben Wildvögel auf die Verbreitung vermutlich keinerlei Einfluss. Dagegen kann es in Massentierställen inzwischen sogar unbemerkt in gesund erscheinenden Enten existieren, wie im August in Bayern nachgewiesen wurde. In verschiedenen Entenmastanlagen, die ohne Übertreibung als Tierhöllen bezeichnet werden können, wurden im Juli und August H5N1-Viren ausgemacht, was zu einer beispiellosen Tötungsaktion geführt hat: Es wurden fast 500.000 Enten in zahlreichen Ställen eines Groß-Unternehmens  vernichtet. Tiere, die niemals wirklich leben durften, weil sie unter unwürdigsten Bedingungen leiden mussten - von Geburt an.
Trotzdem hat die deutsche Regierung am 12.10. die "Geflügelpest-Verordnung" verabschiedet. Nun gilt grundsätzlich eine Stallpflicht für Hausgeflügel, die unbegrenzt festgeschrieben worden ist. Nur gewisse Ausnahmen sind möglich. Viele Freilandgeflügelhalter müssen jedoch aufhören oder sind gezwungen, ihre Tiere auf engem Raum tierschutzwidrig einzupferchen. So wird es vermutlich bald kein deutsches Freilandgeflügel, auch keine deutschen Freilandeier mehr geben.
Sowohl Tierärzte als auch viele Tierschützer sehen keine logische Grundlage für diese Verordnung, denn Stallpflicht macht Tiere krank und anfällig, schützt jedoch nicht vor Vogelgrippe.
Wir versuchen, über eine Unterschriftensammlung bei Tierfreunden und zusätzlich eine eigene Unterschriftenliste für Tierärzte den Protest zu bündeln, um politisch ein wirksames Zeichen setzen zu können. 
Bitte helfen Sie uns dabei!
Bisher liegen ca. 1.800 Unterschriften von Tierschützern vor, dazu kommen 120 Unterschriften von Tierärzten. Das ist noch nicht genug.  Es gibt bestimmt viele Menschen, die bisher noch nichts von dieser Aktion erfahren haben. vielleicht helfen Sie, einige davon zu finden.
Karin Ulich
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