Sonnleitner - Aigner
Ein Lehrstück
Frau Landwirtschaftsministerin Aigner war so unbedacht, als sie eine
längst bewiesene Tatsache verkündete. In einem Zeitungsinterview
sagte sie, die Deutschen äßen zu viel Fleisch, und das wäre abträglich
für die Gesundheit und auch fürs Klima. Sie selbst wolle sich bemühen,
in Zukunft weniger Fleisch zu essen.
Und das
kurz vor der Grünen Woche!
Das
konnte dem Präsidenten des Deutschen Bauerverbandes Sonnleitner natürlich
gar nicht gefallen. Er zeigte sich „irritiert" und forderte
die Ministerin in einem Brief auf, diese Aussage "klarzustellen".
In einer Ansprache behauptete er, Tierproduktion trüge nur in sehr
geringem Ausmaß zum klimaschädlichen Methanausstoß bei.
Verzichtsempfehlungen seien der falsche Weg, das Weltklima zu
retten. Die Landwirtschaft habe noch ein erhebliches Wachstums- und
Zukunftspotenzial. Stolz verkündete er, dass Deutschland in der EU
die Nr.1 sei bei der Erzeugung von Milch, Raps, Schweinefleisch und
Kartoffeln. „Das ist die Grundlage zur Verteidigung unserer
Marktanteile", sagte er.
Frau
Aigner gehorchte. Die Zeitungsmeldung sei eine „Ente",
stellte sie klar, und in einer Fernsehdiskussion antwortete sie auf
eine entsprechende Frage: „Auf eine Verzichtsdebatte lasse ich
mich nicht ein".
Nun überlegen
wir: Was wäre wohl geschehen, wenn Frau Aigner standhaft geblieben
wäre? Hätte Frau Merke/ sie entlassen? Hätte sie es total mit den
Herren Seehofer und Sonnleitner verscherzt? Wäre die deutsche
Landwirtschaft zusammengebrochen?
Wir
warten noch immer auf mutige Politiker.
E.
Ulich