Moderne Kolonialisierung: Land-Grabbing
Als im letzten Jahr
der südkoreanische Konzern Daevoo
1,3 ha
Ackerland in Madagaskar aufkaufen wollte, um es für Agrosprit -
Plantagen und den Anbau von Exportnahrung zu nutzen, war der
verzweifelte Aufschrei der Bevölkerung groß genug, um die
Regierung Madagaskars zu stürzen. Erst durch diesen Eklat wurde die
Weltöffentlichkeit auf das in Afrika, Asien und Südamerika um sich
greifende „Land-Grapping“ aufmerksam, obwohl die Ausmaße
gigantisch sind. Bereits 15 bis 30 Millionen Hektar guten Bodens
wurden in den letzten zwei Jahren in Afrika und Asien an ausländische
Investoren verkauft oder verpachtet. Die Verträge wurden oft
klammheimlich mit den jeweiligen Staatsführern ausgehandelt. Da das
von Kleinbauern traditionell genutzte Land meist Staatseigentum ist,
können sie sich nicht wehren und werden vertrieben. So wachsen die
Slums der Großstädte an, mit ihnen Hunger und Not. Wer profitiert?
Wer erhält
EU-Agrarsubventionen?
Am 26. April dieses
Jahres titelte Spiegel-Online "Panzerhersteller kassiert
Agrarsubventionen der EU". Damit wurde darauf Bezug genommen,
dass der Rüstungskonzern Rheinmetall im vergangenen Jahr 83.795 €
für ein Forstprojekt im Rahmen eines Förderprogramms zur
Entwicklung abgelegener ländlicher Gebiete erhalten hatte. Schon
2007 bekam der Konzern von selbiger Quelle 48.152 €. Aber auch VW
und der Chemiekonzern BASF erhielten von der EU Agrar-Zuwendungen.
Kritiker
fordern schon länger eine Änderung in der Verteilung von
Agrarsubventionen. Aktuell kassierten die Nordmilch AG (51,15 Mio
€) und die Südzucker AG (42,89 Mio €) im letzten Jahr am
meisten.
Felix Ulich Juni 2010