Tier & Mensch e.V. |
Die europäische Klimapolitik ist ein im Sturm der Konzern-Interessen
zerknülltes Blatt Papier. Selten werden die Schwächen so deutlich,
wie nun in Spiegel-Online anhand einer Diskussion von Fachleuten der
Grünen dargestellt wurde: Die „Verschmutzungszertifikate“ sind
dafür verantwortlich, dass der CO2-Ausstoß nicht zurückgeht, denn
wenn ein Unternehmen CO2 einspart, darf es seine Emissionsrechte
weiterverkaufen. Das heißt, jemand anders stößt umso mehr CO2
aus. So nehmen zwar in Deutschland die Anteile der erneuerbaren
Energie bei der Stromgewinnung beachtlich zu, jedoch wird mit den in
osteuropäische Länder verkauften Zertifikaten dort die schmutzige
Kohleverstromung ausgeweitet. Dumm, denn beim Klima sind globale Lösungen
gefragt. So müssten logischerweise die Zertifikate für CO2-Ausstoßrechte mit
der Zeit per Gesetz verringert werden. Doch weder EU noch
Landesregierungen haben den Mut oder ein Interesse daran, sich gegen
die Industrieinteressen zu stellen. Der sonst zu erwartende Sturm bläst
die verantwortlichen Politiker schon vorher um.
Eine weitere ungelöste Frage betrifft den „Biosprit“. Die Widersprüche um die Agrosprit-Produktion schlagen sich nun auch in der Deutschen Regierung in Form von Ratlosigkeit nieder: Weil die Politiker diesen Irrsinn nicht eingestehen wollen, möchten sie jetzt zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Pflanzenöl unterscheiden. In der Praxis wird das nicht funktionieren und einen ersten Flop haben sie auch schon mit der EU erfahren.
Die am 13. Februar geplante abschließende Lesung des Fördergesetzes für Biosprit wurde verschoben, da die EU nicht zulässt, dass Palmöl und Soja aus klimafeindlicher Produktion explizit von der Förderung ausgenommen werden.
Der Haken ist: Auch alle anderen Monokulturen (z.B. Mais, Zuckerrohr, Raps, Weizen) haben negative Auswirkungen auf Klima und Umwelt: Sei es, dass Sümpfe entwässert oder vielfältig strukturierte Landschaften planiert werden, sei es, dass Kleinbauern von ihrem Land vertrieben oder Wälder gerodet, in Asien und Südamerika sogar niedergebrannt werden:
Die Spuren der Biosprit-Produktion schlagen immer Wunden, weil es um Masse geht. Nun gilt es abzuwarten, was Brüssel Ende März beschließt.
Geringerer Konsum von Tierprodukten senkt Klimakosten
Seit Jahren ist bekannt, dass die Produktion tierischer Produkte etwa mit 20% zum Klimawandel beitragen. Das Rechenbeispiel einer Studie untermauerte diese Erkenntnis nun beispielhaft mit beeindruckenden Zahlen: Die Kosten für die Bekämpfung des Klimawandels könnten bis 2050 um 20 Billionen Dollar verringert werden, wenn der Weltbürger im Durchschnitt den Fleischkonsum auf 70 Gramm Rindfleisch und 325 Gramm Hühnerfleisch und Eier pro Woche reduzieren würde Das ist das Ergebnis einer Studie der Netherlands Environmental Assessment Agency, die die wirtschaftlichen Kosten der modernen fleischreichen Ernährung berechnet hat. Alleine schon durch die Verminderung des Verbrauchs auf die oben genannten Fleischmengen würden 15 Mio. Quadratkilometer Nutzfläche frei werden.
Unter anderem wird auch der CO2-Ausstoß im Zusammenhang mit der Futtergetreideproduktion berücksichtigt,
wobei der Flächenverbrauch und die Ackerbewirtschaftung mit
Maschinen, aber auch der hohe Düngemittel- und Pestizideinsatz eine
große Rolle spielen. Die Methanfreisetzung durch Wiederkäuer wie
Rindern hat ebenfalls starke Auswirkungen auf das Klima.
Karin Ulich März 2009
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Fazit: Massentierhaltung verbieten! |