Tier & Mensch e.V.
Fleisch frisst Menschen
Das ist der Titel eines eindruckvollen Filmes, der vor Jahren im Fernsehen gezeigt wurde. Was ist damit gemeint? Wieso kann Fleisch Menschen fressen?
Wir, die Bewohner der reichen Industriestaaten, wissen gar nicht, was für Unheil wir anrichten durch übermäßigen Fleischgenuss, durch Vielfresserei.
Nicht nur, dass wir unserer eigenen Gesundheit schaden, denn sowohl tierisches Fett, als auch tierisches Eiweiß verursachen die verschiedensten Krankheiten, wenn man sie in größeren Mengen zu sich nimmt. Nicht nur, dass wir durch die Massentierhaltung unseren Nutztieren großes Leid zufügen. Nicht nur, dass die riesigen Mengen an Gülle, die die Intensivhaltung mit sich bringt, Luft, Boden und Grundwasser verpesten, also der Umwelt schaden.
Nein - so merkwürdig es klingt - wir tragen damit auch erheblich zum Hunger in der Dritten Welt bei. Also: Fleisch frisst Menschen.
Denn das hat sich seit langem herumgesprochen: Die Urwälder in den Tropen verschwinden. Bereits 80% wurden in Afrika und Brasilien abgeholzt oder abgebrannt.
Wozu? Zunächst einmal sind die wertvollen Edelhölzer begehrt, denn sie verschönern unsere Wohnungen und Möbel. Aber, um z.B. einen Mahagonibaum zu fällen, müssen bis zu acht andere Bäume, die nicht gebraucht werden, sterben, sonst würde er im dichten Urwald nicht umfallen. Auf diese Weise wird der Wald nach und nach zerstört.
Ferner werden große Flächen gerodet, auf denen Weiden oder Felder entstehen. Ist das nicht gut für die stetig wachsende Bevölkerung? Ja, aber der größte Teil der Flächen dient gar nicht der Versorgung der Einheimischen. Auf ihnen weiden riesige Rinderherden, deren Fleisch in die USA oder nach Europa transportiert wird, um dort zu Hundefutter oder zur menschlichen Nahrung verarbeitet zu werden. Und dabei haben wir selbst schon wegen der Massentierhaltung eine Überproduktion.
Oder es werden Sojafelder angelegt. Aber auch diese eiweißhaltigen Bohnen werden in die Industriestaaten exportiert, um dort dem Futter für Rinder, Geflügel und Schweine beigefügt zu werden. Das ist dann das Kraftfutter, das die "Leistung" des Nutztieres, ob Fleisch, Milch oder Eier, fördert.
Diese Dinge sind allgemein bekannt. Was aber viele nicht wissen: Durch Verfütterung von Getreide an Tiere, deren Fleisch wir dann essen, gehen bis zu 90% der Nährenergie verloren. Das heißt, es könnten 8 bis 10 Menschen satt werden von der Menge Getreide, die nur einen Menschen sättigt, wenn es durch den Tiermagen geht und dann als Fleisch gegessen wird.
Das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen!
Vor dem Krieg aß man in Deutschland durchschnittlich nicht einmal ein Drittel der Menge Fleisch wie heute, und alle wurden satt. Wie konnte es zu dieser absurden Entwicklung kommen?
Durch die Massentierhaltung, die erst vor 50 Jahren einsetzte, wurden tierische Produkte extrem billig. Daran sind wir nun gewöhnt und kommen nicht so leicht davon los. Aber das ist erforderlich, und jeder einsichtige Mensch versteht das auch.
Im ökologischen Landbau sind Massentierhaltung und Verfütterung von importiertem Sojamehl verboten. Die "Leistung" der Tiere sinkt, die Erzeugnisse werden teurer, wir essen weniger Fleisch und Eier. Das ist zum Vorteil der Umwelt, der Entwicklungsländer - und unserer Gesundheit.
Deshalb ist der Weg, den die Landwirtschaftsministerin Künast einschlägt, nämlich durch Förderung des ökologischen Landbaus eine Agrarwende herbeizuführen, richtig. Jeder sollte das unterstützen!
Ernst Ulich(Januar 2003)
Der genannte Film ist über Tier & Mensch e.V. verfügbar

Rodungsflächen im Brasilianischen Urwald (Foto:ESA) Siehe auch Artikel BIO-Soja Lichtblick für Brasilien?

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