Fliegende Säugetiere mit Echolot
Kürzlich nahm ich
an einem milden Sommerabend an einer Fledermausführung am Lindauer
Bodenseeufer teil, die der Bund Naturschutz mit dem kundigen
Fachmann Luis Ramos organisiert hatte. Nach einem überwältigenden
Sonnenuntergang zeigten sich als erste die Abendsegler, die in der
frühen Dämmerung wie Schwalben hoch am Himmel virtuos Insekten
jagten. Später sahen wir Zwergfledermäuse (nur 4g schwer!) um die
Laternen kreisen, und dicht über dem See tauchten ab und zu im
Lichtschein Wasserfledermäuse auf. Ramos wandelte die normalerweise
unhörbaren Ultraschalllaute über seinen Detektor in hörbare
Frequenzen um - die Höhe und der Rhythmus der Klicktöne verraten
dem Kenner die Fledermausart. In Deutschland kommen 22 Arten vor.
Alle sind vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet und daher
streng geschützt. Das bedeutet, dass es verboten ist, ihre Unterkünfte
zu zerstören oder zu verschließen. Die Vorkommen müssen gemeldet
und zur Not muss eine Alternativwohnung für die Tiere gefunden
werden. Wie streng der Schutz ist, zeigte die Kleine Hufeisennase in
Dresden, deren Vorkommen den Bau der umstrittenen Waldschlösschenbrücke
vorübergehend aufschob! Neben der massiven Vergiftung durch
Holzschutzmittel und Pestizide, die seit den 60er Jahren eingesetzt
werden, ist der Verlust ihrer Verstecke in Dachböden und Scheunen
der Hauptgrund, warum die Bestände oft in kürzester Zeit rapide
auf 10% oder 1% geschrumpft und einige Arten völlig ausgestorben
sind. Eine Fledermaus bringt nur ein Junges im Jahr zur Welt - das
macht ein Erholen dezimierter Bestände sehr schwierig. Bei uns zu
Hause auf dem Dachboden lebt gut versteckt eine Langohrfledermaus in
einer Ritze am Kamin, Luis Ramos konnte die Art über die kleinen glänzenden
schwarzen Kotwürstchen bestimmen. Aber auch Flügelreste von
Nachtfaltern sind für ihn ein Indiz, dass größere Arten eine
Mahlzeit hatten Denn nur die kleinen Fledermausarten fressen ihre
erbeuteten Mücken sofort und vollständig im Flug.
Ramos ist immer zur
Stelle, sobald jemand ein Fledermausquartier meldet. So gewinnt er
einen Überblick über die verschiedenen Flattertiere, die noch in
der Bodenseegegend leben, jedes Haus könnte Platz für diese
einzigartigen Insektenfresser bieten - das Dach muss nicht
hermetisch abgeriegelt werden, und giftige Holzschutzmittel sind unnötig.
Karin Ulich