Tier & Mensch e.V.

Fische und andere Meeresbewohner
Die Fische – Lebensweise und Wahrnehmung:
Eine eigene Welt

Zwei große Gruppen werden bei den etwa 28.000 bekannten Arten
unterschieden:
Die saurieralten Knorpelfische (Rochen, Haie),
und die jüngeren Knochenfische (alle übrigen).
Durch
- Stromlinienform,
- Flossen (zum Steuern und Bremsen),
- Kiemen (zum Sauerstoff- Kohlendioxid-Austausch mit einer riesigen Oberfläche),
- Schuppen (mit „Jahresringen“, die durch unterschiedliches Sommer- bzw. Winterwachstum eine Altersbestimmung ermöglichen. Glanz durch eingelagerte Kristalle. Die Farben werden über Farbpigmente in der Haut hervorgerufen. Plattfische tarnen sich blitzschnell durch nervlich gesteuerte Pigmentumschichtungen und passen ihre Farbe chamäleonartig dem Untergrund an),
- Schwimmblase (bei fast allen Knochenfischen, zur Anpassung des spezifischen Gewichts an die gewünschte Wassertiefe)
- und besondere Sinnesorgane
- sind Fische an ihr Leben unter Wasser perfekt angepasst:
- Augen: Knorpelfische sind kurz-, Knochenfische weitsichtig. Bei vielen Arten ist Farbsehen möglich.
- Ohren: Besonders tiefe Töne werden gut gehört, mit Hilfe der Schwimmblase erzeugten Tönen können z.B. Knurrhähne miteinander kommunizieren.
-Seitenlinienorgan: Beidseitig am Körper entlang reihen sich Sinnesgruben mit vielen feinen Haaren, mit denen feinste Schwingungen wahrgenommen werden. Durch das „Echo“ der Schwingungen eigener Körperbewegungen werden, wie beim Ultraschall der Fledermäuse, Hindernisse wahrgenommen, nämlich Position, Größe und Form.
- Nase: Nasengruben tragen Knorpelfische auf der Körperunterseite, Knochenfische auf der Oberseite. Zum Teil hochsensibel: Haie riechen im Olympia-Schwimmbecken einen einzigen Blutstropfen!
- Elekrorezeptoren: Auch in der stockfinsteren Tiefsee muss der Fisch seine Beute und Artgenossen finden und unterscheiden können. Dabei helfen diese meist bei Knorpelfischen entwickelten Rezeptoren, die feinstelektromagnetische Felder spüren, z.B. den Herzschlag winziger Krebse.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass Fische so wie wir Schmerzen, Angst und Stress empfinden können. Genaue Beobachtungen zeigen je nach Art eine überwältigende Vielfalt an Überlebensstrategien, hoch entwickelten, komplizierten sozialen Kompetenzen, Gedächtnisleistungen, logischem Denken.
Englische Forscher kamen zu dem Ergebnis, die beobachteten Fischarten handelten listig, kultiviert, hatten auch die Fähigkeit zu bluffen und zu täuschen, wenn es um Partnerwerbung oder den Umgang mit Rivalen ging. Auch verschiedene ausgefeilte Nestbaumethoden finden sich unter Wasser.

Der Lebensraum ist vielfältig: In stillen Süßwasserseen und Schlammtümpeln, in reißenden Gebirgsbächen und breiten Strömen und überall in den Ozeanen bis zu einer Tiefe von 8.400 m, wo ein ungeheurer Druck lastet sowie Eiseskälte und ewige Finsternis herrschen, finden sich Fischarten, die an die Besonderheiten ihrer Biotope angepasst sind.
Manche Arten wechseln zwischen sehr unterschiedlichen Lebensräumen auf langen Wanderungen:
Die Aale wandern aus dem europäischen Inland in den Atlantik und 7.000 km weit in die Sargassosee bei den Bahamas, um dort zu laichen. Die Jungfische kehren nach Europa zurück. Umgekehrt ist es bei den Lachsen, die aus dem Meer auf Kräfte zehrenden Hindernis reichen Flusswanderungen hinauf in die Quellgebiete ziehen, um dort zu laichen.




Der Mensch: Zerstörer und Plünderer
ihrer Lebenswelten

Die Meere:

Jagd:
Industrielle Fangflotten spüren jeden Schwarm vollautomatisch auf, fangen große Mengen auf einmal, verarbeiten an Deck und frieren die Fische häufig ein, so dass sie monatelang auf hoher See bleiben können. Weltweit ergaunern die hochgerüsteten industriellen Flotten, die 1% aller Fischerboote weltweit ausmachen, 50% des gesamten Fischfangs!
Die EU-Flotten werden auch heute noch hoch subventioniert, obwohl die Europäischen Fischbestände überfischt und teilweise zusammengebrochen sind. Zwar werden inzwischen Fangquoten festgelegt, jedoch weit über den von den Experten (welche die EU-Kommission selbst ernannt hatte) vorgeschlagenen Zahlen! So ist z.B. die Ausrottung des Mittelmeer-Thunfisches vorprogrammiert, da doppelt so viele gefangen werden dürfen, wie für den Erhalt des Bestands verträglich wäre.
Gefischt wird nun besonders in internationalen Gewässern, vor Afrikas Küsten, im Pazifik in asiatischen Gewässern. Ein kleiner Bruchteil des Erlöses (ca. 3%) wird den Regierungen der Anrainerstaaten für die Fischerei-Erlaubnis gezahlt. Die Küstenbewohner, traditionell abhängig von extensiver Fischerei, fischen in geplünderten, leer gefischten Küstengewässern und verarmen.
Eine unbekannte Zahl von perfekt ausgerüsteten Piratenflotten trägt das ihre zur schnellen Ausräumung der Gewässer bei – wobei sie sich auch das Entgelt an die Küstenstaaten spart. Doch angesehen wird das offenbar als Kavaliersdelikt: so hat der Mecklenburg-Vorpommersche Landwirtschaftsminister Backhaus stillschweigend hingenommen, dass Piratenschiffe Ostseehäfen seines Bundeslandes anliefen, um Vorräte zu laden!

Wenn schon, dann gründlich -
Die modernen Fangmethoden:
- Schleppnetze werden wie riesige Tüten durch das Meer gezogen, 12 Jumbojets könnten in einem Netz Platz finden.
- Grundschleppnetze werden auf dem Meeresgrund entlang gezogen, bis 1500 m tief. Sie zerstören das Leben am Boden, z.B. Korallen oder Schwammsiedlungen.
- Baumkurren pflügen den Meeresboden sogar um und töten damit alles Leben am Grund. Sie werden zum Fang der Plattfische (z.B. Schollen, Butt, Flunder) in der Nordsee eingesetzt.
- Ringwaden sind bis zu 200 m hoch und 2000 m lang. Damit werden Fischschwärme eingekesselt und gefangen. Fehlfänge sind zahllose Delfine, was durch ein Schutzabkommen von 1998 zum Delfinschutz etwas besser geworden ist.
- Langleinenfischerei sieht es auf Beutegreifer wie Thunfische ab. Bis zu 100 km lange Schnur wird mit rund 30 000 Fleischködern bestückt. Sie sind Fallen für Tausende von Meeresvögeln (u.a. die gefährdeten Albatrosse) und viele andere Tiere.
- Korallenjagd arbeitet sogar mit Blausäure oder Dynamit. Zurück bleibt eine tote Wüste.
- „Gammelfischerei“ wird mit engmaschigen Netzen betrieben. Alles, was hängen bleibt, wird zu Fischmehl verarbeitet.
Die Folgen sind verheerend. Der Kollaps vieler Arten ist in nächste Nähe gerückt.
Dennoch wird in unverantwortlicher Sorglosigkeit mit den Tieren verfahren:
- Im Durchschnitt wird fast ein Drittel des Fanges als unerwünschter Beifang tot über Bord gekippt. Darunter sind auch Meeresschildkröten, Delfine und Robben.
Beim Garnelen-, Krabben und Plattfischfang werden sogar bis zu 90% Beifang weggeworfen!
- Ein weiteres Drittel der Fänge werden als Vieh- und Fischfutter verwendet.
Inzwischen sind
- Ein Drittel der bekannten Arten durch Überfischung gefährdet.
- Vom Thunfisch nur noch 10 % übrig geblieben.

Meeresverschmutzung:
Die Jagd dezimiert die Bestände nicht alleine: Die Meere sind Müllkippen und werden für die Entsorgung von Giften missbraucht. Die Folge sind Schädigung des Immunsystems der Tiere und eine Zunahme schwerer Erkrankungen.
- Belastungen aus der Landwirtschaft: Hier wären nicht nur die eingesetzten Pestizide sowie Antibiotika und Hormone aus der Tierhaltung zu nennen, sondern auch die Rückstände der Gülle, die nicht nur über Fließgewässer das Meer erreichen, sondern mit dem Regen als Stickstoffverbindungen in so großen Mengen niederschlagen, dass sie einerseits das Meer übersäuern, andrerseits überdüngen, was zu übermäßigem Algenwachstum, später zu Fäulnis führt.
- Öl: Um die Ölplattformen herum werden ölhaltige Schwemmsande abgelagert. Alleine in der Nordsee gibt es 400 Standorte! Altöl wird häufig illegal von Schiffen verklappt. Bei Tankerunfällen gelangen gewaltige Mengen an Öl ins Meer. Die Schutzbestimmungen der EU sind zu lasch oder greifen erst in einigen Jahren, so dass immer noch genügend Schrotttanker ohne doppelte Wände unterwegs sind und Meere und Küsten bedrohen.
- Müll, Abwässer: Sie gelangen direkt oder über die Flüsse in die Meere. Angesichts der unzähligen Schiffe, darunter auch große Luxus-Kreuzschiffe, ist der von Schiffen entsorgte Müll nicht zu unterschätzen.
- Gift, Atommüll: Langlebige Gifte reichern sich in der Nahrungskette an, wenn sie fettlöslich sind. Dazu gehören DDT, das in Europa schon lange verboten ist, TBT, das für Rostschutzanstriche verwendet und erst kürzlich verboten wurde, Chlor- und Bromverbindungen. Die Vielfalt an schädlichen Chemikalien ist unüberschaubar! Die Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield entlassen immer noch strahlende Abfälle direkt ins Meer.
- Klimaerwärmung: Die Zunahme der Wassertemperaturen bleibt nicht ohne Wirkung auf die Meeres-Bewohner. Einige Arten suchen sich einen anderen Lebensraum, andere werden verdrängt.
- Lärm: Fische haben sensible Sinnesorgane. Schiffsschrauben, Unterwasserbohrungen und besonders die militärische Sonartechnik der Marine mit sehr niedrigen Frequenzen verursachen einen höllischen Lärm, dem sich die Fische und Meeressäuger nicht entziehen können. Er behindert sie auf ihren Wanderungen, bei der Nahrungssuche und bei der Kommunikation untereinander. Gerade Wale können vollständig die Orientierung verlieren und stranden. Und das ist tödlich für sie.

Die Binnengewässer

Flüsse, kleine Fließgewässer, Seen und stehende Gewässer jeder Größe bieten Fischen Lebensraum oder Wanderstraßen. Da viele Fischarten ihre Lebensphasen in unterschiedlichen Abschnitten von Fließgewässern verbringen, müssen sie wandern, wenn auch nicht ganz so weit wie Aale und Lachse.
Einschneidende Eingriffe durch den Menschen haben viele Arten soweit reduziert, dass sie vom Aussterben bedroht sind.

Zerstört wurden Lebensräume besonders durch folgende Eingriffe:
- Gewässerbaumaßnahmen:
- Begradigung von Flüssen und Bächen mit Befestigung der Ufer durch Beton- und eintönige Steinmauern.
- Errichtung von Schleusen und Staumauern (z.B. für Talsperren)
- Trockenlegen von natürlichen Überschwemmungsgebiete. Verlust von Bruch- und Auwäldern.
- Verrohrung von Bächen.
- Wasserkraftwerke, deren Turbinen Fische gnadenlos zerstückeln.
- Einleitung von Abwässern aus Landwirtschaft, Industrie, Haushalten.
- Erwärmung durch Nutzung als Kühlwasser besonders in Kraftwerken .

Es wurde schon einiges zur Verbesserung der Lage unternommen:
Bau von Fischtreppen, die Staumauern oder Kraftwerke umgehen, viel mehr Kläranlagen, hier und da eine Renaturierung von leblosen Röhren oder Betonbetten.
Das Ergebnis ist die Rückkehr einiger längst verschwundener Arten, z.B. im Rhein.

Doch weitere Gefahren lauern: Das letzte frei fließende Stück Donau soll mit mehreren Staustufen zur Wasserstraße ausgebaut werden, um noch größeren Lastkähnen die Fahrt vom Schwarzen Meer in den Rhein zu ermöglichen. Die wertvollen Auwälder und das vielfältig strukturierte Flussufer zwischen Straubing und Vilshofen würden geopfert. Die Bayerische Staatsregierung kämpft mit harten Bandagen seit Jahren für dieses Projekt. Auch die Elbe soll zur Autobahn für Kähne weiter ausgebaut werden. Wesentliche Lebensräume von Fischen könnten zerstört werden. Die Naturschutz-Organisationen bemühen sich seit Jahren mit großem Einsatz, diesen Wahnsinn zu verhindern.

Ist die Zucht ein Ausweg?

Damit den Fischern die Beute nicht ausgeht, ist es üblich geworden, in Fischbrutanstalten Jungfische groß zu ziehen, in Seen und Fließgewässern auszusetzen und die Karpfen- und Forellenteiche nach dem Leerfischen mit diesem Nachwuchs wieder neu zu bestücken.
Die seit 400 Jahren übliche Fischteichwirtschaft nimmt seit 20 Jahren rasant zu und wird zunehmend intensiviert: Die Fische werden nicht nur immer dichter zusammengestopft, sondern zunehmend in künstlichen Becken aus Beton gehalten. Die Enge findet erst da ihre Grenzen, wo so viele Fische an den Folgen der qualvollen Haltung sterben, dass der Gewinn dadurch stark geschmälert wird.
Die Folgen der Intensivierung werden weiter unten am Beispiel von Thun- und Lachszucht beschrieben.
Besonders China ist groß in das Geschäft eingestiegen: Es liefert inzwischen zwei Drittel der Welterzeugung von Fisch aus Aquafarmen. Und der Welthunger an Fisch steigt. Allein in Deutschland nahm der Fischverzehr von 2005 auf 2006 um 5% zu.

Jungfische werden aber auch aus der Natur geplündert: An den Europäischen Küsten werden 45% aller Jungaale (Glasaale) für den Export in japanische Aquafarmen eingefangen, 20% für den direkten Verzehr und 20%, um für den Besatz europäischer Aquakulturen und für den gezielten Besatz von Fanggewässern künstlich aufgezogen zu werden. So verbleiben von den Jungaalen nur 15% in der Natur, die sich auf die angeborene Wanderung in die Binnengewässer begeben können.

Auch die Gier nach dem teuren Kaviar wird bedient: Da die Störe selten geworden sind, werden sie seit 1995 in Frankreich in künstlichen Becken gehalten und den Weibchen die Eier mit einem Bauchschnitt entnommen. Nun sind auch in Deutschland riesige Störhaltungen entstanden und am Wachsen: Eine Anlage in Mecklenburg-Vorpommern plant, in einigen Jahren zwei Drittel der Welterzeugung zu liefern. Es ist anzunehmen, dass dank dieser Tierquälerei Kaviar ein billiges Massenprodukt wird.

Nicht nur in Süßwasser, sondern auch an den Küsten und in Meeresbuchten werden in großem Maßstab Fische in Massentierhaltungen gemästet: In erster Linie Lachse, Thunfische und Garnelen.

Die Folgen der Intensivhaltung der Fische und Garnelen sind die gleichen wie bei Geflügel, Schweinen und Rindern:

- Für die Garnelenzucht werden die unersetzlichen, artenreichen und Küsten schützenden Mangrovenwälder vernichtet. Damit geht die Kinderstube vieler Meeres- und Landbewohner verloren.
- Biotope werden durch eingebrachte Pestizide und Antibiotika sowie die Massen von Kot der Tiere abgetötet. Welche Kotmengen sich als faulende Berge am Meeresgrund ablagern kann man ermessen, wenn man sich bewusst macht, dass für 1kg Lachs 3kg Futterfisch und für 1kg Thunfisch 20kg Fisch benötigt werden! Der Umweltschaden für die betroffenen Buchten ist erheblich. Zur Zeit wird in Costa Rica verzweifelt gegen Pläne gekämpft, eine naturgeschützte Bucht in eine Thunfisch-Mastanlage zu verwandeln.
- Verschwendung immenser Mengen von wertvollen Nahrungsmitteln, in erster Linie Fisch.
Wie viel verbraucht wird, steht oben!
- Thunfische werden nicht gezüchtet, sondern als Jungfische der Natur entnommen, also wie die Aale aus den Meeren geplündert und dann für den Rest ihres Lebens in Unterwasserkäfige oder Betonwannen gesteckt.
- Die dicht gedrängt gehaltenen Fische stehen unter Dauerstress und sind extrem krankheitsanfällig. Infektionen breiten sich rasant aus. Krankheitserreger können frei lebende Artgenossen befallen und töten. Besonders folgenreich ist die „Seelaus“ (ein Krebstier), die in ganzen Wolken die Netze der Lachse umgibt und 90% der vorbeiziehenden Junglachse tötet, die auf dem Weg aus den Flüssen ins Meer sind!
- Inzwischen werden Lachse auch genmanipuliert, damit sie schneller wachsen. Zuchtlachse, die in die Freiheit gelangen, schaden mit ihren angezüchteten oder gentechnisch erzwungenen Erbanlagen der Wildpopulation.

Was die Menschen den Tieren an Leid und Schmerz zufügen ist grenzenlos.
Es muss auch betont werden, dass Forellen, Lachse und Aale Einzelgänger sind, die man ab einem bestimmten Alter nicht in Gruppen halten dürfte, weil sie unter qualvollem Dauerstress leiden, wenn sie nicht den nötigen Individualabstand halten können.
Karin Ulich
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