Tier & Mensch e.V.
Fettleibigkeit - eine Volkskrankheit
"Während die Pharma- und die Biotech-Firmen sich ob der zusätzlichen Einnahmechancen die Hände reiben, könnte in der Lebensmittelbranche bald das große Zittern anbrechen."
Diesen Satz entnahmen wir einem Artikel in der Tageszeitung DIE WELT, der die Überschrift "Fettsucht wird zum Börsen-Thema" trägt. Gemeint sind damit die Versuche von Pharmakonzernen, wirksamere Anti-Fett-Pillen zu produzieren, die in Zukunft einen Milliarden-Umsatz versprechen und damit die Aktien hochtreiben. Denn Fettleibigkeit ist zur Volkskrankheit geworden.
In einigen afrikanischen Ländern, z.B. in Äthiopien, galt bis vor kurzem der dicke Bauch als eine Art Statussymbol, wie bei uns der Mercedes 600. Denn nur Fürsten, Häuptlinge, Landbesitzer konnten es sich leisten, viel zu essen - während die anderen hungerten. In den Ländern des Überflusses ist es keine Kunst, übergewichtig zu sein. Das können sogar die Armen erreichen. Es ist ja statistisch erwiesen, dass in Deutschland die meisten übergewichtigen Jugendlichen aus sozial schwächeren Familien kommen. Das ist eine Frage der Bildung und der Erziehung.
Dabei ist doch seit langem bekannt, dass Fettleibigkeit die Wahrscheinlichkeit von Herzkrankheiten, Diabetes, Asthma vergrößert. Der volkswirtschaftliche Schaden, der dadurch entsteht, ist gar nicht abzusehen.
In den USA, wo allein ca. 60 Millionen Menschen an Übergewicht leiden, hat man die Gefahr erkannt und versucht gegenzusteuern. Sogar die Fast-Food-Restaurants, die ja eigentlich hauptverantwortlich für diese gefährliche Entwicklung sind, beginnen umzudenken. So hat z.B. MCDonalds angekündigt, in Zukunft keine Riesenportionen mehr anzubieten. Es sollen auch gesündere, vegetarische Speisen entwickelt werden. Denn dort geht die Angst um. Wie vor etwa zehn Jahren die Anti-Rauch- Kampagne zu erheblichen Verlusten der Tabakindustrie beitrug, so könnte nun auch eine Anti-Fress-Kampagne Ähnliches bei den Schnellrestaurants bewirken. So hat z.B. in den USA eine Mutter McDonalds auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt, weil sie diese Firma für das extreme Übergewicht ihrer Kinder verantwortlich machte. Die Klage war zwar erfolglos, zunächst, aber es könnte auch mal anders kommen. Die Tabakindustrie weiß ein Lied davon zu singen.
In Deutschland hat Ministerin Künast eine Kampagne gegen das Übergewicht von Kindern gestartet. Sie wendet sich vor allem an die Schulen. Es ist nicht einzusehen, warum erst eine Pille her muss, wo doch ein bisschen Vernunft, ein bisschen Beherrschung, ein bisschen Verantwortung das gleiche bewirken könnten.
Quelle: DIE WELT, 6.3.04
E.Ulich
Fress - Steuer gefordert
Angesichts der steigenden Fettleibigkeit der deutschen Bevölkerung, vor allen Dingen bei Jugendlichen, fordert die Berliner Ärztekammer eine "Big-Mac-Steuer", um den gesundheitlichen Risiken entgegenzuwirken.
Wir würden eine solche Steuer außerordentlich begrüßen, da eine unvernünftige Lebensweise die Krankenkosten in die Höhe treibt. Und das geht auch zu Lasten der gesundheitsbewussten Bürger.
E.U. 9/04
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