Europas Natur - Geopfert für Autotank
Die Gier nach
Agro-Sprit ( "Bio" kann man wirklich nicht sagen!) rafft
auch in Europa immer mehr Natur hinweg. Die Deutsche Umwelthilfe hat
recherchiert und schlägt Alarm! Denn die Brachlandflächen werden
zum Acker.
Seit 1990 galt in
der EU ein Beschluss, durch Flächenstilllegung die enormen
Getreideüberschüsse zu reduzieren. Die EU-Bauern wurden
verpflichtet, 10% ihrer Betriebsflächen als Brache ungenutzt zu
lassen, wenn sie Subventionen erhalten wollten. Diese Flächen waren
meist mager und damit besonders artenreich und erwiesen sich als
Refugium für viele Tiere und Pflanzen, die im Begriff waren
auszusterben. Die Brachen wurden zum Paradies für Wiesenblumen und
Insekten: Es fanden sich Hunderte Pflanzenarten, z.B.
Ackerrittersporn, Glockenblumen, Nelken und Disteln ein, die auf
ungedüngte, nährstoffarme Böden angewiesen sind, dazu gesellten
sich Heuschrecken, Spinnen, Käfer und eine bunte Fülle an
Schmetterlingen. Die Bestände von Wiesenbrütern, zu denen Feld-
und Heidelerche, Grauammer und Rebhuhn gehören, erholten sich
wieder, denn sie konnten in Ruhe ihre Kinder groß ziehen, und
Insekten und Samenstände sorgten für reichlich Nahrung.
Doch seit dem
letzten Jahr wurde Getreide teuer und knapp, denn die
landwirtschaftlich genutzten Flächen waren begehrt für den Anbau
von Energie liefernden Pflanzen. Zunehmend wurden Raps, Mais und
andere Energie pflanzen angebaut, oft in riesigen Monokulturen, wo
Unkrautvernichtungsmittel und Pestizide kein anderes Lebewesen
dulden.
Um mehr Platz zu
schaffen, setzten die EU im September 2007 in einer Eilentscheidung
das Flächenstilllegungsprogramm aus. Die Folgen sind katastrophal:
Die Untersuchungen der Deutsche Umwelthilfe e.V. (DHU) haben
"ein beispielloses Artensterben in der deutschen
Agrarlandschaft" ergeben. Bis zu 80% der Brachen wurden dieses
Jahr wieder unter den Pflug genommen, die kostbaren Lebensräume
vernichtet. Dr. Frank Neuschulz von der DHU warnt vor einem
"Super-Gau für die ökologische Vielfalt in der
Kulturlandschaft". Ein EU-Programm und Maßnahmen der
Agrarminister der Bundesländer zum Schutz der ökologisch
wertvollen Flächen wären dringend geboten.
Fand nicht gerade
erst im April die Weltkonferenz über die Rettung der Artenvielfalt
(Biodiversität) in Bonn statt? Hatten nicht die EU-Staaten 2001 und
2007 gemeinsam Beschlüsse für "Europäische
Nachhaltigkeits-Strategie" bzw. eine "Nationale Strategie
zur biologischen Vielfalt" gefasst, um den Schwund wildlebender
Tier- und Pflanzenarten zu stoppen? Es wird im krassen Widerspruch
zu diesen Zielen, aber im Sinne der Industrie gehandelt, teilweise
mit nicht mehr gut zu machenden Folgen.
Möglichkeiten
zur Erhaltung der Vielfalt: Unseren in zahlreichen Naturtipps
geäußerten Appellen an Bauern, Gartenbesitzer und Kommunen hat
umso mehr Bedeutung: Verschont Weg- und Straßenränder, Anlagen und
Gärten vom Rasenmäher! Mäht nur 1 bis 2mal im Jahr, und räumt
unbedingt jedes Mal das Mähgut weg, damit sich eine artenreiche
Blumenwiese entwickeln kann! Bauern, lasst breite Streifen um die
Felder und Wirtschaftswiesen stehen, die nur 1x jährlich gemäht
oder umgebrochen werden! Wir dürfen nicht zulassen, dass unser
Lebensumfeld unbemerkt weiter verarmt.
K. Ulich