Tier & Mensch e.V.

Ein Blick hinter die Mauern

Anfang April erhielten die Fernsehzuschauer in den Tagesthemen" und bei Frontal 21" einen kurzen Einblick in die alltägliche Vorbereitung ihrer Fleischmahlzeit. Zu sehen war unvorstellbares Grauen auf deutschen Schlachthöfen. Vorbei am Tierschutzgesetz und dem Gebot für Recht, Sittlichkeit und Moral werden zahllose Tiere qualvoll hingerichtet. Im Moloch gigantischer Schlachtstätten, die im Sekundentakt Leben vernichten, zappeln die Schweine in CO2-Gaskammern voller Panik und Erstickungspein bis sie bewusstlos sind. Geschätzte 500 000 Tiere (jährlich) wachen, mangelhaft ausgeblutet, wieder auf, bevor sie ins Brühwasser geworfen werden. Rinder winden sich schreiend, kopfüber an Ketten hängend, während der Hals auf- und Füße und Ohren abgeschnitten werden, ca. 200 000 Tiere im Jahr. Die haarsträubende millionenfache Totquälerei in großen Geflügel-Schlachtanlagen ist dem Publikum vor Jahren schon durch Fernsehbeiträge bekannt geworden. Die Schande ist untragbar, da sind sich alle einig. Der Geflügelverbrauch klettert unbekümmert zu immer neuen Rekorden, der Fleischverbrauch bleibt extrem hoch. Massentierhaltungen werden staatlich gefördert, ebenso der Bau immer neuer Riesen-Schlachthöfe. Wie kann das nur möglich sein? Schon 1993 hielt Prof. Dr. Kurt Tröger, Kulmbach, vor den Mitgliedern des Vereins gegen tierquälerische Massentierhaltung einen Vortrag über die Missstände in deutschen Schlachthöfen. Ebenfalls beim VgtM zeigte Friedrich Mülln 2001 einen erschütternden Film, den er in einem EU-Schlachthof in Österreich gedreht hatte. Der Verein wandte sich erfolglos an die verantwortlichen Politiker. Auch der Deutsche Tierschutzbund thematisierte mehrfach den Skandal der Massenschlachtungen. Doch wer übernimmt Verantwortung? Der Verbraucher verlässt sich auf Staat und Handel. Der Handel auf den Umsatz mit Billigware. Die Politiker, Veterinäre und Behörden verlassen sich auf die Unternehmer und beugen sich dem Lobbydruck. Wer die Zustände anprangert, ist verlassen. Das Ziel Profitvermehrung" hat die Entwicklung jahrzehntelang ungehindert gesteuert, wobei das Grauen zunahm. Das Tempo der Schlachtbänder stieg, immer unprofessioneller agieren mangelhaft ausgebildete, schlecht bezahlte, im Akkord schuftende Kopfschlächter. Immer weniger Tierärzte stehen zur Verfügung, beugen sich dem Arbeitstempo und werden stumpf.

Die Missstände wurden schleichend Bestandteil des Schlachtsystems, Systemimmanent". Frau Julia Klöckner, Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium (und: Kandidatin der CDU im Wahlkampf des Landes Rheinland-Pfalz) behauptet, die Länder müssten dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden.

Das reicht jedoch nicht, solange nicht verboten wird, Schweine und Geflügel wie bisher mit C02 zu ersticken, sie im Akkord zu metzeln und sie am Fließband fortzuschleppen, auch wenn die Betäubung missrät, was sehr häufig bei der Geflügelschlachtung vorkommt. Auch die neue EU-Verordnung, die ab 2013 gilt, verbietet nicht die mangelhaften Betäubungs- und Schlachtmethoden. 
Unsere entschlossene Gegenwehr ist gefragt:
Die
Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt" hat eine viel beachtete Online-Petition gestartet. Gerade bildet sich ein Tierschutzbündnis aus österreichischen, deutschen und Schweizer Vereinen über die Grenzen hinweg, um Forderungen an die Politik zu richten. Regional, wie hier in Lindau, sind Tierschützer dabei, herauszufinden, aus welchen Schlachthäusern das Fleisch in ihren Metzgereien und Supermärkten kommt und sind bereit, sich den Schlachtvorgang anzusehen. Dieses Vorgehen ist äußerst effektiv und empfehlenswert, denn so wird der Handel auf seine Verantwortung hingewiesen. Immerhin interessieren sich plötzlich Schlachtkonzerne für Verbesserungen ihrer Kontrollsysteme.
K.Ulich Juni 2010

 

zurück