Tier & Mensch e.V.
BIO-Soja - Lichtblick für Brasilien?
Eine der wichtigsten Nährpflanzen in der ganzen Welt ist die Sojabohne. Durch ihren hohen Anteil an wertvollem Eiweiß könnte sie weitgehend das Fleisch in der menschlichen Ernährung ersetzen. Leider kommt diese Pflanze in unseren Breiten nicht gut voran. In den Tropen und Subtropen aber gedeiht sie prächtig, und es wäre möglich, die arme Bevölkerung in diesen Gebieten satt zu machen. Warum aber herrschen in weiten Regionen Afrikas und Südamerikas noch immer Hunger und Armut?
Nehmen wir das Beispiel Brasilien. Urwälder werden gerodet. Ackerflächen entstehen, auf denen riesige Sojafelder angelegt werden. Der größte Teil der Ernte aber kommt nicht der einheimischen Bevölkerung zugute. Er wird in die reichen Industrieländer exportiert, von denen man nicht sagen kann, dass die Bewohner an Unterernährung leiden. Wozu also diese Ausbeutung?
Das Sojamehl kommt hauptsächlich ins Tierfutter. Je höher der Anteil, umso größer ist die Leistung. So nennt der Tierfabrikant z.B. die Gewichtszunahme eines Schweins in möglichst kurzer Zeit bei möglichst geringem Futterverbrauch. Das also ist die „Leistung“, die ein Schwein bringt. Das gleiche gilt natürlich auch für Geflügel und Rinder. Auf diese Weise und wegen der industriellen Massentierhaltung werden tierische Produkte so billig. Das ist der Grund, warum wir so viel Fleisch essen, bis wir schließlich davon krank werden.
Die Sojafelder in Brasilien gehören meistens Großgrundbesitzern, die tausende von Hektar Ackerfläche in Monokulturen bearbeiten – und zwar nach den modernsten Methoden. Das bedeutet: Kleinbauern werden vertrieben, weil sie sich die teuren Maschinen nicht leisten können, Damit werden auch Arbeitsplätze vernichtet.
Pestizide, die aus der Luft versprüht werden und große Mengen Kunstdünger verunreinigen die Böden und verpesten das Grundwasser. Die Belastung der Flüsse überträgt sich auf die Fische, von denen zahlreiche Stämme der Urwaldindianer leben.
Die Sojaproduzenten stört das alles nicht. Wenn nach einigen Jahren die Felder abgewirtschaftet sind, werden neue Urwaldflächen gerodet und das Spiel beginnt von vorn. An die ferne Zukunft denkt niemand. Urwald wächst nicht mehr nach.
Nun geht es auch mit der Gentechnik los. Was in Brasilien bisher verboten war, gehört in Ländern wie USA, Argentinien, Kanada und China schon längst zum landwirtschaftlichen Alltag. Viele brasilianische Bauern besorgen sich das Gen-Saatgut illegal, weil sie glauben, damit bessere Geschäfte machen zu können. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Verbot aufgehoben wird.
Oder nicht? Es gibt zahlreiche Kleinbauern, die begonnen haben, mit Hilfe europäischer Organisationen, vor allem kirchlicher Einrichtungen, Bio-Soja anzubauen. Der Markt in Europa wäre vielversprechend, zumal sich gerade in Deutschland mit der vor zwei Jahren eingeleiteten Agrarwende in die gleiche Richtung bewegt. Seitdem Brasilien vor einigen Monaten eine neue Regierung bekommen hat mit einem Präsidenten, der selbst aus einfachen Verhältnissen kommt, besteht die Hoffnung, dass die natürliche Landwirtschaft stärker gefördert wird. Das wäre auch ein wirksames Arbeitsbeschaffungsprogramm, denn auf einer Fläche, die bisher in kleineren Betrieben z.B. 800 Arbeitern Lohn und Brot gab, sind im Großbetrieb weniger als 100 nötig.
Natürlich müssen die Erzeugnisse teurer werden. Aber wäre das für uns so schlimm? Wir alle könnten einen Beitrag zur Entwicklungshilfe leisten einfach dadurch dass wir bei unserem täglichen Einkauf auf Produkte aus ökologischer Landwirtschaft achten.
Ernst Ulich (Quelle: Deutschlandfunk)
Siehe auch Artikel "Fleisch frisst Menschen"
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