Tier & Mensch e.V. |
Sehr
geehrte Frau Aigner!
In der letzten Ausgabe der Jugendzeitschrift „Dein SPIEGEL"
gaben Sie ein beachtenswertes Interview über den Unfug von Google
Street View. Sie haben sicherlich dieses Heft in Händen gehabt. Wir
betrachten es als glückliche (man könnte sogar sagen: „göttliche")
Fügung, dass sich die Titelgeschichte gerade dieser Ausgabe mit dem
riesigen Fleischkonsum in den reichen Ländern befasst. Die Folgen
dieses Wahnsinns sind kurz aber deutlich geschildert. Das dürfte
Ihnen nicht entgangen sein. Noch wirksamer allerdings wäre es, wenn
Sie, sehr geehrte Frau Aigner, sich selbst einmal mit einem
entsprechenden Appell an die Jugend richteten. Wir erinnern uns,
dass Sie sich vor Jahresfrist einmal in einem Zeitungsinterview
gegen den zu hohen Fleischverzehr geäußert hatten. Das aber nahm
Ihnen Herr Sonnleitner übel, und er hat Sie deutlich gerügt.
Anscheinend haben Sie sich diese Zurechtweisung zu Herzen genommen,
denn wir haben diesbezüglich nichts mehr von Ihnen gehört. Auch
Ihre Antwort auf unseren OFFENEN BRIEF vom Januar war alles andere
als befriedigend. Gerade in den vergangenen Monaten waren die Medien
voll von Berichten über den übermäßigen Verzehr von Fleisch.
Alle größeren Zeitungen und Zeitschriften berichteten über die
Gefahren für Umwelt, Klima und Ernährung, über die Schäden für
unsere Gesundheit, über die beschämenden Tierquälereien. Nur die
Politik schwieg. Warum? Sind Sie nicht eigentlich in erster Linie
zuständig für dieses Thema, fördern stattdessen neue
Tierfabriken? Wir erwarten von Ihnen eine eindeutige Stellungnahme
zum Problem einer gesunden Landwirtschaft, einer gesunden Ernährung
und gesunder Nutztiere - und sind gespannt auf Ihre Antwort. (29.9.2010)
Die
Antwort kam am 13. Okt. durch eine Dr. Potz. Sie enthielt einige
vernünftige Bemerkungen über die Umweltschäden, die die
Fleischproduktion verursacht und verwies auf die Empfehlungen der
Deutschen Gesellschaft für Ernähung, die einen wöchentlichen
Verzehr von 300-600g Fleisch für angemessen hält. Alles schön und
gut. - aber dann das: „Durch eine Einschränkung des
Fleischkonsums ließen sich die Treibhausemissionen allerdings nur
dann mindern, wenn dieser Konsumverzicht nicht durch einen Anstieg
der Fleischausfuhren voll kompensiert wird."
Was
soll man dazu sagen?
Also
fragten wir Frau Potz: „Warum wird dann die Errichtung riesiger
neue Mastanlagen, die nur der Ausfuhr dienen, nicht nur geduldet,
sondern sogar gefördert? Und:Warum wird seitens des Ernährungsministeriums
nicht mehr getan,diese Empfehlungen der DGE zu
propagieren?" Bisher steht eine Antwort aus.
E. Ulich (Dez.2010)
Tönnies
(Schalke 04) hat im Jahre 2009 den Wettkampf um die größten
Fleisch - Schlachtbetriebe Deutschlands klar für sich entschieden.
Mit 13 Millionen Schweinen (Deutschland insgesamt: 56 Millionen) und
4 Milliarden € Umsatz führt er die Tabelle an und verwies die
Konkurrenten mit weitem Vorsprung auf die Plätze. Wiesenhof brachte
es auf schlappe 2 Mrd. €, wobei dieser Firma der Trost bleibt, an
die fünfzig Mal mehr Tiere getötet zu haben, denn es handelt sich
ja um Geflügel. Aber die Absicht des Konkurrenten „Emsland
Frischgeflügel, in Wietze die größte Schlachterei Europas zu
bauen, lässt Wiesenhof nicht ruhen. Auch diese Firma sucht nun im
Osten Niedersachsens nach geeigneten Plätzen zum Bau neuer
Schlachtanlagen. Denn das Emsland ist bereits seit langem „gesättigt".
Zu diesem edlen Wettstreit gesellt sich noch die dritte der großen
Firmen: „Stolle".
In
Wietze sollen täglich in zwei Durchgängen 430.000 Hühnchen getötet
werden, also Schlachtung im Zehntel-Sekunden-Takt. Die Anlieferung
der Tiere erfordert 1000 LKW-Fahrten pro Woche.
Bei
diesem Wahnsinn hilft die Bundesregierung kräftig mit:
Mit
diesem Begriff feiert das Agrarministerium den Erfolg, als es nach
langwierigen Verhandlungen mit
den
chinesischen Behörden gelang, die Lieferung von Schweinefleisch
nach China wieder aufzunehmen. Denn der Export von Fleisch, so
Staatssekretär Müller, ist der „Motor der
Landwirtschaft". Man hofft sogar, in Zukunft auch
„veredelte" Fleischprodukte liefern zu dürfen. Also ist es
kein Wunder, dass überall neue Schlacht- und Mastbetriebe
entstehen. Inzwischen werden mehr als 5 Millionen lebende Schweine jährlich
aus dem Ausland, vor allem aus Dänemark und den Niederlanden,
eingeführt, nur um hier geschlachtet zu werden. Warum? Bei uns ist
das Schlachten billiger, denn die Arbeitskräfte werden mit
„Werkverträgen" aus Osteuropa geholt, mit sehr viel
niedrigeren Löhnen als denen, die in Westeuropa gezahlt werden. So
blüht das Geschäft. Und die Behauptung, auf diese Weise würden
neue Arbeitsplätze geschaffen, ist eine glatte Lüge.
Die
EU- Kommission plant, die Agrarsubventionen für die Landwirtschaft
neu zu verteilen Bisher bekam Deutschland jährlich etwa 7 Mrd.
Euro. Diese Summe soll reduziert werden, um die osteuropäischen
EU-Mitglieder besser zu fördern. Die Höhe der Beihilfen richtete
sich bisher nach der Flächengröße der Betriebe. Das begünstigte
die Großbetriebe, die voll mechanisiert sind. Zukünftig aber soll
nur ein „Sockelbetrag" gezahlt werden, sonst aber die Zahl
der Beschäftigten als Maßstab gelten, was den kleineren Bauern
zugute käme. Ferner sollen die Zahlungen an strengere Klima- und
Umweltauflagen geknüpft werden, z.B. an die Einhaltung einer
bestimmten Fruchtfolge.
Diese
geplanten Regelungen des Kommissars Ciolos stoßen auf heftigen
Widerstand der deutschen Agrarlobby, allen voran Präsident
Sonnleitner, der die Vorschläge „unausgewogen" nannte und
Ministerin Aigner, die vor „Bürokratisierung" warnte - beide
assistiert von der FDP, die von einer „Rolle rückwärts - weg
von der Marktwirtschaft" sprach. Umweltverbände dagegen
begrüßten die Pläne.
Eine
„Rolle rückwärts" allerdings ist die Absicht der
Bundesregierung, die Zuwendungen für den Ökolandbau ab 2011 zu kürzen.
Die Mittel in Höhe von 16 Millionen sollen nämlich in Zukunft
„auch anderen nachhaltigen Formen der Landwirtschaft" zur
Verfügung stehen. Mit dem schwammigen Begriff
„Nachhaltigkeit" kann man alles machen .Wäre doch gelacht,
wenn nicht den Tierquälern was „Nachhaltiges" einfiele, um
an das Geld heran zu kommen.
E.U.
(Dez.2010)
Das
Neueste aus Niedersachsen
Unter
der Überschrift „Ministerium räumt gravierende Mängel bei Geflügelmast
ein" meldete die Hannoversche Allgemeine am 18. Nov., dass
Staatssekretär Ripke Reformen in der Geflügelmast fordert und sich
für eine „Tierschutz-Offensive" ausspricht. Man traut seinen
Augen nicht! Wird hier ein Saulus zum Paulus?
In
einer nicht-öffentlichen Sitzung des Landtags-Agrarausschusses
listete Ripke nahezu alle Missstände auf, die seit Jahrzehnten von
den Tierschutzvereinen angeprangert werden: Schnabelkürzen,
drangvolle Enge, Drahtböden, Kannibalismus, Herz- und
Kreislauferkrankungen, Bewegungsarmut, Töten der Hahnenküken usw.
Alle diese Dinge seien kritisch zu bewerten", sagte er und
stellte in Aussicht, dass das Land nun strengere Vorschriften plant.
Schließlich kam er zu der Einsicht, dass die Verbraucher „immer
mehr Wert auf Tierschutz legen". Es gehe ja auch um die
„Mensch - Tier - Beziehungen".
Und
was sagt Frau Grotelüschen? „Es gibt keine Tierschutz-Probleme in
den Geflügelmastbetrieben." Und: „Wir müssen eine
langfristige Perspektive beim Tierschutz in der Geflügelmast
entwickeln und gemeinsam mit den Betroffenen umsetzen." Wer
aber sind die „Betroffenen"? Die Tiere? Die Tierschützer?
Weit gefehlt! Es ist die Wirtschaft. Denn: „Einen Alleingang
Niedersachsens, möglicherweise auch gegen die Interessen der Geflügelindustrie,
wird es nicht geben."
Also nur ein peinlicher Ausrutscher des Herrn Ripke? Immerhin, die Lawine ist losgetreten. Wir werden sie gewiss nicht aufhalten! Quellen: Hannoversche Allgemeine, NDR 1
Diese Aktion ist ganz in unserem Sinne. Deshalb haben wir sogleich den Anfang gemacht und dem Ministerium den irreführenden Begriff „Kleingruppenhaltung“ auf den Packungen der Käfigeier gemeldet. Denn der offizielle Ausdruck für diese Haltungsform heißt „Ausgestalteter Käfig“. Und die Eier sind mit einer 3 gestempelt.
Wir
fordern alle Tierfreunde auf, ebenfalls diesen Betrug zu melden.
Umso eher ist zu hoffen, dass die Verbraucherministerin mal bei der
Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin nachfragt, warum das
geduldet wird.
Ebenfalls wird bekannt, dass Frau Ministerin Aigner dafür sorgen will, dass Lebensmittelpackungen nur noch mit unbedenklichen Farben bedruckt werden dürfen, damit verhindert wird, dass giftige Stoffe in die Lebensmittel eindringen.
Auch
das halten wir für richtig. Allerdings warten wir drauf, dass
endlich auch gegen die Gifte in den Lebensmitteln vorgegangen
wird. Wir denken da z.B. an Fleisch aus Massentierhaltung, in dem
noch oft genug schädliche Rückstände, Hormone, Antibiotika
gefunden werden – falls mal kontrolliert wird.
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